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Abstract

Zusammenfassung

Der in Deutschland nicht heimische Wolgazander (Sander volgensis) wurde erstmals im Jahr 2010 im Mittellandkanal bei Braunschweig (Niedersachsen) nachgewiesen und breitet sich seither vor allem in Norddeutschland aus. Von Angler:innen wird er zumeist sicher anhand seiner fehlenden Hundszähne und dem ausgeprägten Streifenmuster identifiziert. Im Vergleich zum heimischen Zander (Sander lucioperca) bleibt der Wolgazander deutlich kleiner, Individuen mit einer Totallänge von über 55 cm sind vergleichsweise selten.
In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet kommen Wolgazander und Zander immer syntop vor. Wolgazander gelten als stillwasserliebend und besiedeln überwiegend größere Flüsse und deren Altwasser, Seen und Talsperren. Innerhalb seiner Ontogenese vollzieht er zwei Nahrungswechsel von Zooplankton auf Makroinvertebraten und als Adulttier auf Fisch. Im Vergleich zum Zander besteht die Nahrung des Wolgazanders zu höheren Anteilen aus Makrozoobenthos und benthischer Beute. Er frisst in der Regel auch kleinere Beuteorganismen. Wolgazander laichen vermutlich später als Zander und, anders als sein heimischer Verwandter, betreibt er keine Brutpflege. Beide Arten können hybridisieren. Hybridisierungsereignisse in freien Gewässern sind aber wahrscheinlich selten und kaum dokumentiert. Ausgehend von den vorliegenden Kenntnissen, ist davon auszugehen, dass sich die Etablierung des Wolgazanders nicht signifikant negativ auf die heimische Fischfauna auswirken wird.
Im Rahmen dieser Studie wurden 1.189 Wolgazanderfänge ausgewertet, die zu über 98 % von Angler:innen stammen. Der Wolgazander wurde bisher (Stand Dezember 2024) in elf, ausschließlich schiffbaren Gewässern in sechs Bundesländern nachgewiesen. Von einer weiteren Ausbreitung ist auszugehen. Um die Ausbreitung des Wolgazanders besser dokumentieren zu können, sollte die Anglerschaft bundesweit über die Art und ihre Erkennungsmerkmale aufgeklärt und informiert werden.

Fazit für die Praxis

  • Der Wolgazander hat sich nach seinem Erstnachweis 2010 in den norddeutschen Bundeswasserstraßen etabliert und bildet reproduktive Bestände aus.
  • Angler:innen liefern wertvolle Daten zur Verbreitung des Wolgazanders; Nachweise im Rahmen offizieller Fischbestandsuntersuchungen z. B. mittels Elektrofischerei, gelingen äußerst selten.
  • Eine Identifizierung von Hybriden aus Zander und Wolgazander ist für Angler:innen nur schwer möglich, kann aber möglicherweise anhand der Anzahl der perforierten Schuppen entlang der Seitenlinie durchgeführt werden.
  • Aufgrund der starken Ausbreitung ist ein effektives Management des Wolgazanders in freien Gewässern nur noch schwer möglich. Angler:innen wird empfohlen Wolgazander zu entnehmen und einer sinnvollen Verwertung zuzuführen. Zanderbesatz mit Wildfängen aus unbekannter Herkunft sollte strikt vermieden werden.
  • Um weitere Erkenntnisse zur Ausbreitung des Wolgazanders zu sammeln, sollten möglichst viele Angler:innen über Angelverbände, -vereine und über die Angelmedien informiert werden mit, dem Hinweis weiterhin Wolgazanderfänge zu melden.